onehundretstories
Liebes Tagebuch, heute kann keiner mir was. Ich gebe nicht auf, bin was ich bin, nie wieder beuge ich mich. Augen über den Schultern, lache dem Neubeginn entgegen. Vergeude nicht eine Sekunde, hole mich raus. Weit über den Dächern der Stadt und Porzellan-Symphonien gescheiterter Liebe, wird alles wie meine Prise des Glücks. Eine Welt ohne Farben und ich will da nie mehr zurück. nie mehr die Magersüchtige Stumme inmitten der Masse..
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Ich weine keine Träne. Ich kotz' bereits Blut.

Nachdem ich aus der Klinik entlassen wurde, habe ich mir geschworen nie wieder so tief zu sinken, dass ich mir mein Leben von Essen & Nicht-Essen bestimmen lasse. Das ich mir nie wieder von einer digitalen Zahl auf einem Brett sagen lasse, ob mein Tag gut wird oder ob ich mich gleich wieder ins Bett legen kann bis zum nächsten Tag. Das ich mir nie wieder Genuss von irgendwelchen Kalorienmännchen versauen lasse. Ich habe einen riesen Teil meiner Jugend mit meiner Essstörung verschwendet, den permanenten Gedanken an Kalorien, Fett, Gewicht, Sport usw. Verschwendete Zeit. Denn man ist ja nie zufrieden. Ein riesiger Trugschluss, wenn man denkt, noch 2-3 kg abnehmen, dann bin ich glücklich, dann kann ich mich akzeptieren, dann bin ich mit mir selbst zufrieden. Denn es ist nie genug & man ist nie zufrieden. Jahrelang habe ich mir das eingeredet & mich selbst betrogen. Und auch heute noch erwische ich mich oft mit diesem Gedanken, dabei sollte ich es jetzt wirklich besser wissen. Aber dann gibt es Tage, Stunden ( und diese Zeiten häufen sich immer mehr) wo meine Vernunft pausiert & die Essstörung mich wieder komplett packt. Dann ist es einfach nur noch logisch, nichts zu essen, sich jeden Tag zu wiegen & sich die Stimmung am früheren Morgen über das Gewicht sagen zu lassen. Dann bestimmen wieder Zahlen mein Leben. Eine Scheibe Toast hat 100 kcal, die Salamischeibe 80 kcal, die Schokolade 536 kcal pro 100 g und so geht es weiter.

Ich bin es leid. Ich kann nicht mehr. Wieso kann ich nicht leben wie jeder andere auch? Wieso hatte ich nicht einfach eine schwere Pneumonie, warum muss es eine so verdammt fiese Essstörung sein?

20.3.11 20:23
 


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