onehundretstories
Liebes Tagebuch, heute kann keiner mir was. Ich gebe nicht auf, bin was ich bin, nie wieder beuge ich mich. Augen über den Schultern, lache dem Neubeginn entgegen. Vergeude nicht eine Sekunde, hole mich raus. Weit über den Dächern der Stadt und Porzellan-Symphonien gescheiterter Liebe, wird alles wie meine Prise des Glücks. Eine Welt ohne Farben und ich will da nie mehr zurück. nie mehr die Magersüchtige Stumme inmitten der Masse..
header
Schicksal ist etwas zu finden das man nicht gesucht hat & dann festzustellen das man nie etwas ander

Die letzten Tage waren relativ schlecht. Schlecht aus der Sicht eines Gesunden. Ich schätze immer allerhöchstens 300 kcal. Die Magersucht hat mich mal wieder super fest in ihrem Griff & ich weiß nicht wie ich gegen sie ankämpfen soll. Am liebsten würde ich mich so treiben lassen & schauen was passiert. Warum zum Teufel lernt man nicht aus seinen Fehlern? Verdammt, ich habe mir geschworen mein Leben nie wieder von der Essstörung kontrollieren zu lassen & wie ist es? Ich habe keine Kontrolle! Ich habe schlechte Laune, bin schwach & das Schlimmste ist, ich habe mich vorgestern richtig mit meinem Freund gestritten wegen dieser behinderten Essstörung. Er versteht einfach überhaupt nichts, er toleriert nichts & im Grunde genommen ist es ihm nie genug was ich esse egal wiesehr ich es versuche..Ich habe Angst ihn zu verlieren. 

 

23.3.11 20:16


Werbung


..Nie mehr die Magersüchtige Stumme inmitten der Masse, die Sonne scheint für mich, denn ich bin, ic

 

Mir geht es zur Zeit wieder schlechter. Ich merke wie es mir immer schwerer fällt zu Essen & wieviel Überwindung so etwas einfaches kostet.
Ich habe gestern zum ersten Mal seit vielen Monaten nur eine "Mahlzeit" (1Brötchen) zu mir genommen. Sonst habe ich ja immer versucht 3mal am Tag zu essen, auch wenn es nicht so viel ist & meistens funktioniert es auch weil mein Freund mich zwingt, wenn mein Verstand aussetzt. 
Aber gestern, gestern war alles so perfekt, so perfekt um wenig zu essen. Wir (mein Freund & ich) waren in einem Outletcenter einkaufen (für ihn) und haben uns abends spontan entschieden, weil es nicht mehr weit war, in unsere Heimatstadt zu fahren (wir wohnen zur Zeit ca. 130 km weg). Er ist dann abends weggegangen mit Freunden & ich war bei meinen Eltern. Und meine Eltern tolerieren es einfach wenn ich nichts esse, es ist unglaublich, dass bin ich nicht mehr gewohnt. Ich bin es gewohnt dass jemand mich zwingt zum Essen & mich solange nicht anschaut bis der Teller leer ist. Unglaublich, nicht wahr? Meine Eltern sagen nichts, nehmen es hin und mein Freund ist derjenige der es nicht zulässt. Auf eine Weise regt es mich auf, es kotzt mich schon fast an, dass ich mir oft wünsche alleine oder wieder bei meinen Eltern zu wohnen, da war alles so schön & einfach und keiner hatte Kontrolle über mich außer ich selbst bzw. die Essstörung. Naja, wie auch immer.

20.3.11 20:36


Wenn du etwas ändern willst, dass du nicht ändern kannst, dann ändere deine Einstellung dazu.

Nur wie?

Ich weiß, ich kann abnehmen bis zu einem gewissen Punkt. Ich kann diesen Punkt auch unterschreiten. Aber irgendwann werde ich so wie es ist nicht mehr weitermachen können. Ich kann abnehmen in dem ich weniger esse & ich kann weniger essen als weniger essen aber irgendwann erreiche ich einen Punkt an dem ich mehr essen muss wenn ich weitermachen will und sobald ich mehr esse, ist wieder alles drauf & der Kreislauf beginnt von neuem.

Es heißt, der Körper versucht immer wieder zu seinem eigenen „Wohlfühlgewicht“ zurückzufinden, er möchte immer wieder in die Nähe davon kommen, heißt, wenn man abnimmt, wird der Körper versuchen, sein persönliches Wohlfühlgewicht zu erreichen, heißt wiederum, alles was ich „mehr“ zunehme wie vorher, wird mein Körper an sich reißen und speichern. Und so ist.

Seit Jahren schwanke ich zwischen den Zahlen, Schwankungen von ca. 15 kg, die mal mehr mal weniger sind. Und ich hasse sie. Und ich hasse es noch mehr, dass mein Kopf sich nicht mit dem wohlfühlt, mit dem mein Körper es tut. Ich werde es nie akzeptieren mehr oder weniger normal auszusehen, mehr oder weniger normal zu essen weil ich es nicht kann. Ich hasse meinen Körper. Ich hasse das Fett, das sich bildet. Widerlich.

Und ich hasse es, auf der Waage ein bestimmtes (niedriges) Gewicht zu lesen & in den Spiegel zu schauen und keinen Unterschied zu sehen. Es heißt, Magersüchtige & auch Bulimiker leiden unter einer Körperschemastörung:

Das Körperbild Magersüchtiger ist verzerrt. Sie erkennen die extreme und lebensbedrohliche Abmagerung ihres Körpers nicht. Besonders einzelne Körperteile, wie Oberschenkel, Bauch oder Hüften stehen im Blickpunkt der Betroffenen. Obwohl objektiv beurteilt diese Partien normal oder schon zu dünn sind, empfinden die Betroffenen sich meist zu dick oder beschreiben ihren ausgemergelten Körper als Ideal.

Mag ja sein, nur wie kann es sein, dass ich das, was ich sehe, das Fett, auch greifen & packen kann? Das kann ich mir einfach nicht einbilden. Das kapiere ich nicht.

 

20.3.11 20:25


Ich weine keine Träne. Ich kotz' bereits Blut.

Nachdem ich aus der Klinik entlassen wurde, habe ich mir geschworen nie wieder so tief zu sinken, dass ich mir mein Leben von Essen & Nicht-Essen bestimmen lasse. Das ich mir nie wieder von einer digitalen Zahl auf einem Brett sagen lasse, ob mein Tag gut wird oder ob ich mich gleich wieder ins Bett legen kann bis zum nächsten Tag. Das ich mir nie wieder Genuss von irgendwelchen Kalorienmännchen versauen lasse. Ich habe einen riesen Teil meiner Jugend mit meiner Essstörung verschwendet, den permanenten Gedanken an Kalorien, Fett, Gewicht, Sport usw. Verschwendete Zeit. Denn man ist ja nie zufrieden. Ein riesiger Trugschluss, wenn man denkt, noch 2-3 kg abnehmen, dann bin ich glücklich, dann kann ich mich akzeptieren, dann bin ich mit mir selbst zufrieden. Denn es ist nie genug & man ist nie zufrieden. Jahrelang habe ich mir das eingeredet & mich selbst betrogen. Und auch heute noch erwische ich mich oft mit diesem Gedanken, dabei sollte ich es jetzt wirklich besser wissen. Aber dann gibt es Tage, Stunden ( und diese Zeiten häufen sich immer mehr) wo meine Vernunft pausiert & die Essstörung mich wieder komplett packt. Dann ist es einfach nur noch logisch, nichts zu essen, sich jeden Tag zu wiegen & sich die Stimmung am früheren Morgen über das Gewicht sagen zu lassen. Dann bestimmen wieder Zahlen mein Leben. Eine Scheibe Toast hat 100 kcal, die Salamischeibe 80 kcal, die Schokolade 536 kcal pro 100 g und so geht es weiter.

Ich bin es leid. Ich kann nicht mehr. Wieso kann ich nicht leben wie jeder andere auch? Wieso hatte ich nicht einfach eine schwere Pneumonie, warum muss es eine so verdammt fiese Essstörung sein?

20.3.11 20:23


Flieg wenn du fliegen kannst. Lieb wenn du lieben kannst. Weil du nie kriegst, was du kriegen kannst

„Ich möchte für jene schreiben, die sich noch nicht ganz entschieden haben, für jene, die gerade am Scheideweg stehen und dabei sind, den teuflischsten Deal ihres Lebens einzugehen. Euch möchte ich sagen: Glaubt keiner der heiligen Lügen, sie werden euch schlimmer verletzen, als es jede Wahrheit je könnte. Ihr werdet immer noch ihr sein, auch mit zehn, zwanzig Kilogramm weniger! Ihr werdet euch nicht leiden können & hässlich finden, ihr werdet nicht glauben, dass ihr etwas könnt und das euch jemand mag. Ihr werdet weiter suchen und immer auf der Suche bleiben, weil auch die Essstörung keinen Stillstand herbeiführt, an dem wir endlich ankommen und zu Hause sein könnten. Geht nicht weiter! Bleibt stehen!“
(Aus Annika Fechner- Hungrige Zeiten)



Dies hier ist kein Pro Ana Blog. Auch kein With Ana Blog. Es ist einfach nur mein Blog, über mein krankes und manchmal auch ganz normales Leben. Ich habe seit ich 14/15 bin Magersucht, seit mittlerweile 6 Jahren. Mehrere ambulante Therapieversuche hinter mir, die ich alle abgebrochen habe & ein teilstationärer Aufenthalt in einer Tagesklinik für Kinder & Jugendliche, wo ich 4 Monate lang war. Geheilt bin ich immer noch nicht und vielleicht werde ich es auch nie sein. Schließlich sind gerade mal 30 % nach einer Therapie „geheilt“ (wenn mich die Zahlen in meinem Kopf nicht täuschen). Im Moment habe ich auch keine Kraft einen erneuten Anlauf zu starten & ich habe Angst, wer bin ich wenn die ES weg ist?!

Mein Tiefstgewicht lag bei 40 kg (BMI 15,6), mein Höchstgewicht 55 kg (BMI21,5). Im Moment bin ich auf dem Besten Weg mein Tiefstgewicht wieder zu erreichen, mein Gewicht schwankt zwischen 44 & 45 kg.

Es ist manchmal sehr schwierig, zu vergessen das auch ich alles essen darf. Aber ich bemühe mich, schließlich will ich, obwohl noch soviel Krankes in mir steckt, nicht zu Zeiten zurück, an denen ich mich tagelang nur von Tomatensuppe ernährt habe. Diese Zeiten gab es nämlich. Es gab auch Zeiten wo eine Erdbeere zuviel war. Nein, dahin möchte ich nicht zurück. Auch wenn das Zurückdenken, etwas verlockendes hat.



So far.
20.3.11 20:21


Alles was du besitzt, besitzt irgendwann auch dich.

 

 

Für einen Aussenstehenden mag meine alltägliche Auseinandersetzung mit Essen, Kalorien, Gewicht nicht sichtbar sein, dennoch führe ich ihn ständig, jeden Tag, jede Woche, jeden Monat, jedes Jahr auf’s neue, zu jeder Tages- & Nachtzeit. Essen oder nicht essen, das ist die Frage. Der Kampf gegen meine „gesundes“-Ich & mein krankes- Ich. Jetzt ist das eine stärker, nachher das andere. Keines von beiden ist stark genug, das andere komplett auszuschalten. Und so pendel ich immer zwischen dem einen und dem anderen, das Hin und Her, es macht einen fertig. Es ruiniert einen vollkommen. Es nimmt dich voll in seinen Besitz, es lässt dich nichtmehr los, sooft man auch versuchen mag dagegen anzukämpfen. Ja, ich habe versucht dagegen anzukämpfen. Lange. Ich war einige Monate in Therapie, hatte fast ein ganzes Jahr, indem Essen für mich fast so normal war wie für jeden anderen auch. Wie früher. Ich habe aufgegeben. Ich werde diesen Kampf nicht heute, nicht morgen und auch nicht übermorgen gewinnen. Ich habe keine Kraft. Ich lasse mich treiben. Ich lasse geschehen. Warte, wohin der Weg mich führt. Ich werde nie zufrieden mit mir, meiner Figur, meinem Gewicht sein. Nie. Nie. Nie.

20.3.11 20:18


Design & Bild
Gratis bloggen bei
myblog.de